Kennst du diese Angewohnheit, dass du dich für Dinge «fertig» machst, die eigentlich gar nicht so wichtig sind? Dass du dich rügst, weil du einen vermeidbaren Fehler gemacht hast und innerlich in deinen Selbstgesprächen so hart mit dir umgehst, wie du es niemals mit anderen Menschen tun würdest? Das ist ein Anzeichen dafür, dass du zu sehr nach Perfektion strebst. Und ein Schrei nach Liebe. Was ich genau damit meine? Am besten erzähle ich dir hierzu eine Geschichte von mir.

Unter Druck

Vor ein paar Wochen war ich allein auf einer Wanderung in den Bündner Bergen. Ich war vorbildlich vorbereitet, hatte die Karten des Gebietes ausgedruckt und online dabei sowie eine Beschreibung der Route, die ich an diesem Tag absolvieren wollte. Gut gelaunt und frohen Mutes startete ich so meine Wanderung. Doch kurz darauf stellte ich irritiert fest, dass ein unbekanntes Ehepaar nah hinter mir ebenfalls den Berg hinaufstieg. Nicht, dass dies nicht erlaubt wäre. Jedoch fühlte ich mich irgendwie bedrängt, weil sie zu mir aufschlossen, mich jedoch nie überholten. Unbewusst setzte ich mich damit selbst unter Druck, ja nicht mein Tempo zu verlangsamen oder anzuhalten. Schweigend liefen wir so dahin. Als ich nach einer Stunde an meiner ersten Station ankam, die ich für eine Rast vorgesehen hatte, lief ich einfach weiter, das Ehepaar weiter an meinen Fersen. Eigentlich war ich müde und hatte mich auf diese Pause gefreut, doch ich gestand sie mir einfach nicht zu. Bei der nächsten Wegkreuzung hielt ich dann nur rasch inne, um die Wegweiser zu studieren – und wurde vom Ehepaar überholt. Endlich. Jetzt konnte ich einerseits wieder aufatmen, andererseits musste ich feststellen, dass ich mir die Pause an einem schönen Rastplatz vergönnt hatte und dass ich eigentlich gar nicht diesen Weg einschlagen hatte wollen, sondern einen anderen. Meine Freude war wie weggeblasen.

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Ich bin nicht richtig

Ich lief weiter und begann, mich selbst «fertig» zu machen. Warum hatte ich mich von diesen fremden Leuten so unter Druck setzen lassen? Warum hatte ich sie nicht einfach an mir vorbeiziehen lassen und war meinen Weg gegangen? Jetzt hatte ich die Quittung: ich war auf einem Weg, auf dem ich eigentlich nicht sein wollte, ohne Pause zuvor. Ich nahm mich Schritt für Schritt regelrecht «auseinander». Warum? Weil ich nach Perfektion strebte an diesem Tag – ja, sogar an einem Ferientag. Ich kam zum Schluss, dass ich es falsch gemacht hatte. Dies führte mich wiederum zur Überzeugung, dass ich falsch war – darum war ich ja auch allein auf der Wanderung. «Ich bin nicht liebenswert», war daraufhin meine Schlussfolgerung. Jetzt, beim Schreiben dieser Zeilen, kann ich darüber schmunzeln, doch zum Zeitpunkt der Wanderung war es mir bitterernst.

Selbstreflexion hilft

Doch so rasch wollte ich mir meinen Wandertag doch nicht zunichte machen. Also begann ich, die ganze Geschichte zu reflektieren und genauer anzuschauen. Ich stoppte meine zerstörerischen Selbstgespräche und sagte zu mir: «Es ist so, wie es jetzt ist.» Damit meinte ich, dass ich jetzt nicht ändern konnte, dass ich auf einem anderen Weg war, doch ich hatte weiter oben die Chance, wieder auf «meinen» Weg abzubiegen und unterwegs meine wohlverdiente Pause einzulegen. Ich startete, Mitgefühl mit mir selbst zu haben und meinem inneren Kind, das zu dem Zeitpunkt schon am Weinen war, zu sagen, dass ich stets mein Bestes gebe und dass es halt an diesem Morgen nicht so herausgekommen war, wie ich es mir vorgestellt hatte. Mit der Zeit konnte ich mich so besänftigen und es kam erneut Freude an der Wanderung und an der wunderbaren Natur in mir auf – an der ich notabene mindestens eine Stunde lang achtlos vorbeigelaufen war, weil ich mich zu sehr mit mir und meinen Selbstgesprächen auseinandergesetzt hatte.

Mitgefühl zeigen

Wenn auch du eine ähnliche Geschichte aus deinem Alltag kennst, in der du zu hart mit dir ins Gericht gegangen bist, dann nimm dies einfach zur Kenntnis. Zeige Mitgefühl für dich – auch im Nachhinein – denn du konntest es zu diesem Zeitpunkt einfach nicht besser. Deine Tagesform variiert stets, du bist abhängig von äusseren Einflüssen – nicht nur vom Wetter, sondern auch von der Energie und den Launen der anderen Menschen um dich herum. Das Leben kann an manchen Tagen einfach auch eine Herausforderung für dich sein. Erkenne das an und verabschiede dich davon, perfekt zu sein. Niemand wird dich (mehr) lieben, wenn du perfekt bist. Perfektion ist ein Mythos. Perfektion ist eine Selbstbestrafung. Lasse sie los und geniesse dein Leben und dich, so wie du bist. Jeden Tag aufs Neue.

Nächste Woche in diesem Blog zum Thema «Mitgefühl»: Mitgefühl mit den anderen

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