Bei einem Bummelgang durch die Berner City, ja, ich laufe dort deutlich langsamer als hier in Zürich…, entdecke ich diese Tafel am Eingang eines Blumengeschäftes. Hier hat sich der Besitzer einen Spass mit den Kunden erlaubt, denke ich als erstes. Oder steckt da doch mehr dahinter? Ich beschliesse, dem eine Chance zu geben, setze mich in ein nahes Café und lasse den Spruch auf mich wirken.

Das erste Geschenk eines Tages ist es, gesund aufzuwachen, entscheide ich. Wenn ich ohne nennenswerte Beschwerden aufstehen und meinen Tag mit meinen Yoga-Übungen beginnen kann. Dann der Sprung unter die Dusche – warmes Wasser fliesst über meinen Körper, auch keine Selbstverständlichkeit in vielen Ländern dieser Erde, überlege ich. Mein Zmorge, ein  reichhaltiges, selbstgemachtes Smoothie zeigt mir, dass ich mir gesunde Ernährung leisten kann. Auch das etwas, worauf nicht alle Menschen Anrecht zu haben scheinen. Bald realisiere ich: schon in der ersten Stunde des Tages erhalte ich Geschenke, die ich jedoch meist nur unbewusst wahrnehme und auch oft als selbstverständlich ansehe. Daher sind es doch die kleinen, alltäglichen Sachen, die unser Leben lebenswert machen – oder uns auch einen Tag versalzen können.

So kann es mich am Morgen schon echt aus der Bahn werfen, wenn plötzlich nur kaltes Wasser aus der Duschbrause spritzt, so dass ich beschliesse, mit ungewaschenen Haaren in den Tag zu starten.

Was werden wohl die anderen sagen, wenn sie mich so sehen? Nichts natürlich, stelle ich kurze Zeit später fest. Niemand hat es bemerkt, meine Ängste waren unbegründet.

Wie viele Male, überlege ich, blockiere ich mich, weil ich mir darüber Gedanken mache, was andere über mich denken? Zu oft, gebe ich zu. Warum überhaupt muss ich den anderen gefallen? Ist es nicht primär wichtig, dass ich mich selbst gut finde? Schliesslich bin ich mir selbst am nächsten, kenne mich am besten. Und verbringe die meiste Zeit, genau genommen die ganze Zeit, mit mir. Daher ist doch nur meine Meinung über mich massgebend. Wenn ich mich gut finde, können mich die anderen doch gernhaben.

Mit dieser Erkenntnis und dem Vorsatz, mir bei den nächsten Zweifeln mehr «who cares» oder «I couldn’t care less» zu sagen, stehe ich schmunzelnd auf, spanne den Regenschirm auf und setze meinen Spaziergang im strömenden Regen fort. Ich habe mein Geschenk des Tages erkannt.

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